Die Rückkehr des Königs

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Seit Tagen ist Riyadh in Aufruhr. Am Mittwoch kehrte König Abdullah nach 3 monatiger krankheitsbedingter Abwesenheit nach Saudi zurück. Übersehen kann man das seitdem nicht mehr. Überall auf den Straßen hängen seine Konterfeis. Eines der größten Gebäude hier, der Sebic-Tower hat seine Fassade mit sicher 15 Meter hohen Bildnissen des Herrschers geschmückt. Und natürlich finden sich überall entlang der Straßen die saudischen Nationalflaggen.

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Wie man sieht, sind auch die Brücken über die Hauptverkehrsstraßen mit Fahnen noch und nöcher geschmückt. Dass man in den Malls an den Säulen den König ebenfalls sieht, kann man sich dann fast schon denken. Ich vermute die Portraits und Fahnen werden gestellt und im Grunde feiert der König sich damit selbst. Gleichzeitig sieht man aber auch viele in ihren Autos auf den Straßen herum fahren und Beifahrer waghalsig auf den Dächern der Fahrzeuge balancierend enthusiastisch Fahnen schwenken. Offenbar ist die Freude über die Rückkehr beiderseits 🙂


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Dubai

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Zum ersten Mal ging es für uns am Montagsabends mit dem Flugzeug aus Saudi hinaus. Von den strengen Vorschriften der westlichen Flughäfen ist hier nichts zu spüren. Zu den Check-In Schaltern geht es durch ein Metalldetektor und auch das Gepäck wird durchleuchtet. Allerdings sitzt teilweise keiner an den Kontrollbildschirmen und das Piepsen interessiert niemanden. Nach der Ausreise ging es nochmal durch eine Kontrolle, diesmal saß tatsächlich jemand am Schalter. 🙂 Das Handgepäck der alleinreisenden Frauen wird schnell vor der wartenden Schlange aufs Band gelegt. Da sind die Männer mehr oder wenig geduldig und verständig. Bei einem Reisenden wurde das Handgepäck komplett auseinander genommen und ein Taschenmesser beschlagnahmt, bei anderem Gepäck hatte ich das Gefühl der Kontrolleur schaut weg. Das erweckt ein wenig den Eindruck, die Kontrolle und Beschlagnahmung geschieht nach Lust, Laune und Bedürfnis.
Ich wurde rausgewunken und durch einen Vorhang geschickt, dort ging es weiter durch einen zweiten Vorhang, damit auch ja keiner was sieht. Die Frau die wartete war allerdings eher an ihrem Handy interessiert als am Piepsen, dass ihr Metalldetektor von sich gab.

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Wir sind mit Air Arabia, einer Billigfluglinie nach Sharjah geflogen. Mit dem Taxi, der Auftakt zu vielen weiteren Fahrten, ging es zum Hotel. Schlafplätze hatten wir im Winchester Grand Apartment-Hotel gefunden. Der Taxifahrer wusste grob wo das Hotel zu finden ist, einer der wenigen.
Die Fahrt kostete uns 100 EAD, umgerechnet rund 20€ und war damit weitaus billiger als ein Flug nach Dubai.

Kleinere Probleme gab es noch beim Checkin. Offenbar war es für die Rezeption ungewöhnlich, dass eine Person zwei Zimmer gebucht hatte. Kurz drauf war auch das gelöst und wir aßen noch schnell von dem indischen Buffet im Hotelrestaurant, dann fielen wir müde ins Bett.

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Neue Arbeit für Frauen

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Es bewegt sich was in Saudi-Arabien. Bisher war es uns Frauen hier nur erlaubt in Erziehungs- und Medizinischen Berufen zu arbeiten. Die Banken haben Ladies Sections in denen die Frauen nur von Frauen bedient werden. Das gilt auch für die Ladies Sections in Einkaufscentern, in denen es teilweise Läden gibt, in denen Frauen kassieren. Für Weißnasen gibt es auch mal Bürojobs, allerdings wohl eher inoffiziell.  Auch in den Botschaften können Frauen hier arbeiten. Nun kommt jedoch ein neuer Beruf hinzu. Bei h, eine der vielen Supermarktketten hier in Saudi, gibt es seit neuestem weibliche Kassiererinnen. Leider nur in Jeddah, wo es ja schon ein wenig offener zugeht als hier in Riad. Natürlich war der Aufschrei bei den Konservatisten groß, doch der neue Vorsitzende der Savola Group, ist der saudische Arbeitsminister, mit der schützender Hand des Königs. Ebenfalls gibt es seit letztem Jahr eine weiterführende gemischte Schule, nachdem die Universität ja auch schon für weibliche Studenten geöffnet wurde.

Diese Meldung schaffte es sogar in die deutsche Presse. Bereits nach einem Tag wurde ein Dementi verbreitet. Es wäre eine Fatwa ausgesprochen, außerdem zum Boykott aufgerufen, die Kette würde einen Rückzieher machen, die Frauen dürften doch nicht an die Kasse. Nur, das stimmt so nicht ganz. Ja, eine Fatwa wurde ausgerufen allerdings eine nicht autorisierte und ist damit hinfällig. So wurden die Frauen auch nicht in andere Abteilungen versetzt. Im Gegenteil eine zweite Supermarktkette namens Marhaba stellt ebenfalls weibliche Kassiererinnen ein und HyperPanda möchte mehr Frauen einstellen.

Um kein falschen Eindruck zu erwecken, die Frauen werden vollverschleiert hinter den Kassen stehen. Die Geschlechtertrennung wird weiterhin aufrechterhalten. Denn die Damen werden in Familiy Sections kassieren. Einzelne Männer werden also keine Möglichkeit haben einen Blick auf die Ladies zu werfen.

Natürlich wird noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Es gibt viele Gegenstimmen. Ein Argument ist zum Beispiel, dass die Arbeitslosenrate so hoch sei, dass die Frauen den Männern nicht die Arbeit wegnehmen sollen. Die Befürchtung, dass saudische Männer jetzt noch fauler werden wurde geäußert. Die Angst, dass die Frauen genervt von der Verschleierung sein werden und sie ablegen klingt durch. Dann wäre es ja nur noch ein kleiner Schritt bis die Frauen auch anfangen würden Auto zu fahren!!! Doch genauso vehement wird der Schritt gelobt. Ob sich das bis nach Riad durchsetzt scheint fraglich, da wir hier doch im strengeren Teil des Landes leben.

Jetzt müssen wir wohl mal nach Jeddah fahren, um bei Panda und Marhaba einzukaufen 🙂


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Händchen halten

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Eine Sache mit der ich überhaupt nicht gerechnet hätte, ist dass man hier in den Malls des öfteren Menschen sieht die Händchen haltend durch die Gegend laufen. Und nein, dabei geht es nicht um Pärchen oder Kinder, nein es geht um Männer untereinander.

Als ich das das erste Mal bewusst wahrgenommen habe, war das doch etwas merkwürdig. Hier scheint das aber im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise sehr üblich und nichts besonderes zu sein. Dabei ist der Anblick zweier Männer in ihren weißen Thawb Händchen haltend, für mich als Europäer definitiv ein ungewohnter und eben unerwarteter Anblick 🙂

Es gibt auch sehr unterschiedliche Arten das Händchenhalten zu praktizieren. Die einen haben die Hände ganz fest und komplett umschlossen zusammen, Die anderen hängen lediglich die kleinen Finger ineinander. Auch der Wechsel der Hände untereinander passiert fließend und spontan. Ich hatte sogar ein paar Mal den Eindruck, dass jeweils die beiden die Hände hielten, die sich gerade explizit miteinander unterhielten.

Dieser Eindruck ist jedenfalls etwas mit dem ich nicht gerechnet hätte, aber wegen sowas geht man ja auch ins Ausland oder speziell in die arabische Welt, um eben eine ganz andere Welt zu erleben 🙂


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