Neue Arbeit für Frauen

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Es bewegt sich was in Saudi-Arabien. Bisher war es uns Frauen hier nur erlaubt in Erziehungs- und Medizinischen Berufen zu arbeiten. Die Banken haben Ladies Sections in denen die Frauen nur von Frauen bedient werden. Das gilt auch für die Ladies Sections in Einkaufscentern, in denen es teilweise Läden gibt, in denen Frauen kassieren. Für Weißnasen gibt es auch mal Bürojobs, allerdings wohl eher inoffiziell.  Auch in den Botschaften können Frauen hier arbeiten. Nun kommt jedoch ein neuer Beruf hinzu. Bei h, eine der vielen Supermarktketten hier in Saudi, gibt es seit neuestem weibliche Kassiererinnen. Leider nur in Jeddah, wo es ja schon ein wenig offener zugeht als hier in Riad. Natürlich war der Aufschrei bei den Konservatisten groß, doch der neue Vorsitzende der Savola Group, ist der saudische Arbeitsminister, mit der schützender Hand des Königs. Ebenfalls gibt es seit letztem Jahr eine weiterführende gemischte Schule, nachdem die Universität ja auch schon für weibliche Studenten geöffnet wurde.

Diese Meldung schaffte es sogar in die deutsche Presse. Bereits nach einem Tag wurde ein Dementi verbreitet. Es wäre eine Fatwa ausgesprochen, außerdem zum Boykott aufgerufen, die Kette würde einen Rückzieher machen, die Frauen dürften doch nicht an die Kasse. Nur, das stimmt so nicht ganz. Ja, eine Fatwa wurde ausgerufen allerdings eine nicht autorisierte und ist damit hinfällig. So wurden die Frauen auch nicht in andere Abteilungen versetzt. Im Gegenteil eine zweite Supermarktkette namens Marhaba stellt ebenfalls weibliche Kassiererinnen ein und HyperPanda möchte mehr Frauen einstellen.

Um kein falschen Eindruck zu erwecken, die Frauen werden vollverschleiert hinter den Kassen stehen. Die Geschlechtertrennung wird weiterhin aufrechterhalten. Denn die Damen werden in Familiy Sections kassieren. Einzelne Männer werden also keine Möglichkeit haben einen Blick auf die Ladies zu werfen.

Natürlich wird noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Es gibt viele Gegenstimmen. Ein Argument ist zum Beispiel, dass die Arbeitslosenrate so hoch sei, dass die Frauen den Männern nicht die Arbeit wegnehmen sollen. Die Befürchtung, dass saudische Männer jetzt noch fauler werden wurde geäußert. Die Angst, dass die Frauen genervt von der Verschleierung sein werden und sie ablegen klingt durch. Dann wäre es ja nur noch ein kleiner Schritt bis die Frauen auch anfangen würden Auto zu fahren!!! Doch genauso vehement wird der Schritt gelobt. Ob sich das bis nach Riad durchsetzt scheint fraglich, da wir hier doch im strengeren Teil des Landes leben.

Jetzt müssen wir wohl mal nach Jeddah fahren, um bei Panda und Marhaba einzukaufen 🙂


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Einkaufstüten und das Einpacken

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Gestern beim Einkauf war es mal wieder soweit. Nach dem Bezahlen oder besser während dem Bezahlen, mussten die erstandenen Waren so verpackt werden, dass sie im Auto nicht heillos durcheinander herumfliegen. Im Gegensatz zu Deutschland, bringt man hier keine Stofftaschen mit in den Laden, sondern es wird alles in Plastiktüten verpackt. Nicht umweltschonend, aber umweltschonend gibt es hier als Wort glaube ich eh nicht.

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Jedenfalls war diesmal keiner der in gelb gekleideten Hilfskräfte an der Kasse, um das Packen zu übernehmen. Das wäre an sich sogar ein Grund, um sich zu freuen, da die Packer in der Regel zum einen ein Tempo an den Tag legen, dass man in der Zeit des Packens noch ein weiteres Mal einkaufen gehen könnte. Zum anderen ist ihre Kombination der Dinge, die zusammen in eine Tüte getan werden, manchmal gewöhnungsbedürftig. Grundsätzlich wird immer darauf geachtet, gleiche Artikel zu kombinieren. So kommen gefrohrene Artikel in die eine, Fleisch in die nächste und Gemüse in die andere Tüte. Das klappt, werden die Artikel auch dem entsprechend aufs Band gelegt. Achten wir nicht drauf werden zwei gefrohrene Artikel in die Tüte gepackt, die nächste gegriffen für die nächsten Konsumgüter. Kommt zehn Artikel später wieder etwas gefrohrenes wird eine neue Tüte angefangen, statt den Artikel noch in die erste Tüte zu packen. Je nach Packer wird dann auch ein einzelnes Haarshampoo in eine extra Tüte gepackt, denn thematisch passt es in keine Tüte. Hat er seinen umweltbewussten Tag kommt eine Kombination wie Shampoo und Fleisch zustande!
Es ist nicht selten, dass man mit 10 Tüten für (1)5 Artikel aus dem Laden kommt. Dass sie auch Artikel, die selbst einen Griff haben, wie Katzenstreu oder Toilettenpapier, in eine Tüte packen, versteht sich von selbst. So hat man dann manchmal auch Tüten in Tüten in Tüten.

Aber zurück zu gestern. Susanne freute sich also schon auf das selbst und damit effizient Einpacken, da deutet der Kassierer an, dass er das unbedingt übernehmen will. Madam, möge bitte das Einpacken sein lassen. Seinem Gebahren und seinem Lächeln zu Folge war es ihm wirklich eine Herzensangelegenheit, uns Westlern, diesen „niederen“ Job abzunehmen. Als selbstständige Frau erzogen ist es trotzdem schwer, dann untätig daneben zu stehen. Und in dem Fall, wollten wir ihm auch nicht zu nahe oder besser gesagt auf den Schlips treten. Wir warteten also, bis er alles kassiert hatte, nur um dann seine Kasse zu verlassen und mit dem Packen weiter zu machen. Auch er war nicht sonderlich effizient, dafür aber relativ flott und er hatte die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen. Das machte es etwas leichter, es hin zu nehmen, dass die Schlange hinter uns nicht sonderlich begeistert von der Aufopferungsbereitschaft des Kassierers war.

Als anschließend die Papierrolle des Kreditkartenlesegeräts leer war und das erste Bezahlen mit der Kreditkarte schief lief, habe ich dann doch bar bezahlt, um die Schlange hinter uns nicht noch mehr zu strapazieren 😉

Einen Vorteil haben die vielen Tüten aus dem Carre Four allerdings. Mülltüten müssen wir hier definitiv keine kaufen 😉


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