Das saudische Jahr kommt für uns mit dem morgigen Abflug nach Deutschland zu einem Ende und nachdem hier zuletzt wieder recht regelmäßig was los war, wollte ich schon mal anmerken, dass es hier in den nächsten drei Wochen eher ruhiger sein wird.
Nach dem letzten Weihnachten, welches wir hier in Riyadh verbrachten, freuen wir uns auf Familie, Freunde und auch einfach auf eine Pause, den verdienten Urlaub. Sollte sich hier bis Weihnachten nichts mehr tun, Euch allen ein schönes, möglichst stressfreies, entspanntes Fest und eine schöne Zeit mit den Euch liebsten.
Mein Verhältnis zu Weihnachten würde ich als gespalten ansehen. Denn zum einen freue ich mich natürlich über Geschenke, wer nicht. Das Wissen, da hat jemand an mich gedacht, hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, was mir gefallen könnte, lässt mich lächeln, macht mich glücklich.
Doch im krassen Gegensatz steht der Kommerz, das “Schenken-müssen “, die Frage “Was wünschst du dir?“. Allein diese Frage lässt mich aggressiv werden. Meine Standardantwort “nichts “, mein Gegenüber.
Doch es fühlt sich für mich falsch an. Der Erwartungsdruck, dass beleidigt sein, wenn man kein Geschenk bekommt, dass Beharren auf diesen einen Tag im Jahr, an dem geschenkt werden muss. Ist es nicht viel schöner, durch die Stadt zu bummeln und etwas zu sehen, was einen an eine Person erinnert und es ihr mitten im Jahr zu schenken, einfach so? Weil man die Person mag und ihr eine Freude machen möchte?
Ja, dafür nehme ich in Kauf an Weihnachten nichts geschenkt zu bekommen. Und auch der Geburtstag wird meiner Meinung nach diesbezüglich überbewertet. Eindeutig.
Sollte die Vorweihnachtszeit nicht besinnlich sein? Lebkuchen, gebrannte Mandeln, heiße Maronen essen, Glühwein trinken (wer das mag), sich auf die Feiertage freuen, sich mit Freunden treffen, die Familie sehen. Statt dessen wird durch die Läden gehetzt um ein Geschenk für Freund X, Tante Y und entfernte Bekannte Z zu finden. Man will ja niemanden enttäuschen, vor den Kopf stoßen, weil man nicht “an ihn gedacht hat“. Und dann fällt einem am 24. Morgens ein “Mist, die Nachbarin, drei Straßen weiter, die die immer über die Kinder und Katzen schimpft, für die habe ich ja noch gar kein Geschenk!“ und “Ach Gott, der Mann von den Stadtwerken, der im Januar den Stromzähler abgelesen hat, das ich den vergessen habe, wie konnte mir das nur passieren!?“ und dann hetzt man los. Weil ist ja Weihnachten. Gehört sich so.
Dieser allgemeine Druck wirkt sich doch auch negativ auf die Geschenke aus. Weil einem nichts besseres einfällt, gibt es für den Mann neue Strümpfe, wahlweise Krawatte. Kinder werden mit Geschenken überhäuft, ob sinnvoll oder nicht spielt dabei keine Rolle, damit sie die Erwachsenen nicht stören. Die Schwiegermutter bekommt die Schnapspralinen, die man dann doch selbst isst um die Feiertage zu überstehen.
Nein, ich möchte das nicht. Ich möchte gerne schenken. Schenken macht Freude. Ich sehe gerne das Lächeln auf dem Gesicht, wenn das Geschenk haargenau zum Beschenkten passt. Doch es widerstrebt mir zu tiefst, mir Geschenke aus den Fingern zu saugen, weil: gehört sich ja. Und dann möchte ich schreien. Laut. Sehr laut.
Ja, natürlich habe ich Wünsche, doch die wenigsten können mir geschenkt werden. Oder hat jemand einen Plan, wie die Verrückten in Israel und Palästina zur Vernunft und einer dauerhaften Lösung gebracht werden können? Jemand eine Idee, wie Assad vom Rücktritt überzeugt werden kann? Von hungernden Kindern in Afrika ganz zu schweigen? Wozu Afrika, Kindern in Deutschland muss auch geholfen werden.
Ja, ich habe auch Wünsche die mich betreffen. Ich würde gern mal wieder durchschlafen, ins Kino gehen, Zeit für mich haben. Doch auch diese Wünsche sind aktuell nicht erfüllbar. Ob ich sonst noch Wünsche habe?
Ja klar, Bücher, immer her damit. Doch wer schenkt mir die Zeit sie zu lesen? Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass sie ja noch Riad fliegen müssen und wir begrenztes Gewicht haben. Etwas für die Wohnung? Na klar, warum nicht – ach ne, nimmt zu viel Platz weg und muss ja auch alles wieder mit zurück. Was zum Anziehen? Uhh, lieber nicht, bin da eigen. Und so kann ich diese Liste weiterführen. Schlussendlich komme ich immer wieder bei “nichts “ an.
Da ich aber wohl auch dieses Jahr nicht um die Geschenkefrage herum komme, bitte schön:
Isabel Bogdan: Sachen machen (dafür wird sich sicher Zeit finden – Bitte direkt bei Isa bestellen, ich will ein Rhönrad basteln )
Lane Smith: Das ist ein Buch (muss ich haben!!!!!!!elf!!!)
Kommt Zeit, kommen Sicherungsmaßnahmen. Wie die meisten Eltern durften auch wir uns der Aufgabe stellen, Dinge abzusichern. Von Kleinteilen, über Kabel bis hin zu Steckdosen gibt es vieles, was gesichert werden muss.
Gefühlt leben wir jetzt in einem kleinen umgekehten Baby Fort Najd
Heute nur eine kleine Randnotiz, aber es ist doch amüsant zu sehen mit wem man den Geburtstag teilt.
Sportlich gesehen wäre das bei mir mit Christoph Metzelder, Mike Hanke und Uwe Seeler keine zu schlechte Auswahl.
Und auch aus dem Entertainment-Umfeld kann ich mich nicht beklagen: Jonny Greenwood (Mitglied von Radiohead), Bryan Adams, Ike Turner (ok, der hätte nicht sein müssen), Art Garfunkel, Robert Patrick (Darsteller des T-1000 aus Terminator2), Vivien Leigh, Tilda Swinton und Sam Rockwell.
Wissenschaftlich betrachtet gibt es mit einem Astronauten Alan G. Poindexter und einem Informatiker Marcus_J. Ranum auch gute Gesellschaft.
Und da der Journalismus heute auch nicht mehr das ist, was er einmal war, freue ich mich über Rudolf Augstein.
So und wir gehen heute Abend schön essen und allen oben genannten und natürlich allen anderen die heute ebenfalls Geburtstag haben: Alles Gute!
… und zwar in vielerlei Belangen. Zuletzt war es mal wieder (ups) etwas ruhiger hier. Erneut zu erwähnen, dass sich das bald wieder ändern wird, würde mir selbst einen Zwang auferlegen, den ich als Grund ansehe, warum hier zuletzt nicht so viel los war. Postingfrequenzen und sonstige Vorgaben für mich selbst machen das ganze Anliegen ein Blog aktiv und kontinuierlich zu befüllen noch schwerer, als es die Aufgabe das Blog zu befüllen eh schon ist.
Man könnte das jetzt so lesen, dass ich Blog-müde wäre. Hierzu möchte ich “ganz im Gegenteil” sagen. Allerdings sehe ich, dass sich die Themen hier doch wieder weg vom saudischen Fokus mehr hin zu Alltag und v.a. Technik verlagern werden. Gerade an letzterem habe ich ja durchaus etwas Spaß, so dass hier vielleicht wieder mehr erscheint, sobald ich die innere Schranke “ach das interessiert die Saudi-interessierten ja eh nicht” ablegen kann.
Ich möchte hier nach wie vor die Waage halten, aber merke zusehends, dass ich entweder alltagsblind geworden bin und mir viele Besonderheiten hier nicht mehr auffallen oder auch einfach nicht dazu komme Dinge aufzuschreiben. Inwiefern speziell das Zeitliche besser klappt, wenn ich eine wie auch immer geartete Schranke ablege, muss sich freilich erst zeigen. In Summe schreibe ich das Teil hier allerdings nach wie vor für mich bzw. uns, was der Beste Antrieb sein sollte, um weiter zu machen.
Unsere erneute Verlängerung hier wird der Alltagsblindheit sicher eher zuträglich sein, aber vielleicht finde ich ja doch noch, das ein oder andere zum Thema Saudi, welches ich hier ausbreite. Abgesehen davon steht ja auch noch die Aufbereitung unseres USA und Chile Urlaubs aus. Die werden definitiv noch erfolgen
Wer sich jetzt denkt, dass Nachwuchs doch ein willkommenes Thema ist, Bücher voll Anekdoten jedweder medialer Form zu elektronischem Papier zu bringen, der hat natürlich Recht. Da wir aber alle auch wissen, dass nichts so leicht aus diesem großen Internetz-Dingens verschwindet, wie es im ersten Moment hineingekommen ist, wird alles Jannis betreffend hier offensichtlich öffentlich nicht seinen Platz finden.