Vor bald drei Jahren schrieb der ehemalige Kollege nebenan über seinen Besuch auf der Farm “seines” Scheichs. Damals war das im Rahmen der Eröffnung unseres Rechenzentrums und ich kam erst etwa vier Wochen später nach Saudi.
Zum nächsten größeren Anlaß, dem 30-jährigen Bestehen der Detecon Al Saudia wurde seit langem mal wieder auf die Farm eingeladen. Natürlich standen auch uns die Quads zur Verfügung, um durch die Dünen zu brettern. Glücklicherweise verzichtete ich diesmal, da Quad durch die Wüste fahren, bereits mehrfach zu unserem Freizeitvergnügen gehörte. Leider gab es nämlich ein paar Unfälle. Alle gingen, bis auf ein paar Schrammen, glimpflich aus, aber mitzubekommen, wie jemand zwischen zwei Autos durch gegen eines der Autos rummst und wie jemand anderes beim Kurvenfahren merkt, dass die Bremse offenbar ein Problem hat, langt mir und ich muss es nicht selbst erleben. Wie gesagt, gut, dass nichts weiter passiert ist. Sowas kann ja auch mal schnell nach hinten losgehen.
Statt Quad zu fahren entschieden wir uns dem Pferdestall einen Besuch abzustatten. Neben dem Pferd, alle anderen waren nämlich offensichtlich weg, gab es noch ganz viel Määäääh, um die Nachbarn der Pferde, die Schaafe mal beim Wort zu nehmen.
Trotz Ende November konnte man sich auf der Terrasse, vor dem Hauptzelt, durchaus noch durchrösten lassen. Wir sind hier halt in Saudi und da ist es auch Ende November in der Sonne noch schön warm.
Im Anschluss an den Nachmittag auf der Terrasse, dem Zelt und bei den Pferden ging es dann ins Swimmingpool-Gebäude. Das ist schon beeindruckend. Man findet ein Gebäude vor etwa in der Größe eines Fußball-Halbfeldes und findet darin einen Pool der nahezu die gesamte Fläche einnimmt. Natürlich mit Rutschen und Wasser-Basketball-Körben. Versteht sich von selbst. Drum herum noch jede Menge Spielautomaten und man hat eine schöne Spielwiese für junge und Junggebliebene. Das Buffet war natürlich auch nicht zu verachten
Nach dem Schlemmen war die 30 Jahr Feier dann auch schon wieder vorbei und wir machten uns auf den Rückweg. Zufälligerweise entschieden wir uns von Süden eine andere als die übliche Route zu nehmen und umfuhren so unwissend eine Totalsperrung. Auch nicht schlecht
Das letzte Mal bei einem Fußballspiel in einem Stadion dürfte ich so vor ca 15 Jahren gewesen sein. Damals aber nur für Bundesliga-Spiele und das beim Karlsruher SC. Wer um die jetzige Situation und die Historie des KSC weiß, kann sich vorstellen wie lange das her ist
Nachdem ich am Tag der Ankunft von Messi und co. schrieb, dass ein Besuch des Spieles genial wäre, ergab sich spontan die Möglichkeit das Spiel Saudi-Arabien gegen Messi (hrm, Argentinien) im King Fahd Stadion hier in Riyadh zu besuchen. Da ich das Stadion sehr gerne mal sehen und erleben wollte wie bei Saudis Fußball gelebt wird habe ich natürlich zugesagt.
Weg ins Stadion
Die Anfahrt gestaltete sich wie üblich chaotisch, wir waren aber zufällig gleichzeitig mit einem der Mannschaftsbusse unterwegs. Ob Saudi oder Argentinien ließ sich nicht sagen. Kurz drauf fuhr uns auch noch ein königlicher Maibach über den Weg. Das volle Programm also
Es gab wohl nur wenige Einfahrten ins Stadion beziehungsweise zu den Parkplätzen davor, so dass sich die Zuschauer, wie hier üblich, entschlossen wild zu parken. Wüstenfläche gab es auch in der Nähe des Stadions genug. Wir schlossen uns kurzentschlossen an, um rechtzeitig im Stadion zu sein.
Beim Sammeln mit den anderen aus der deutschen Gruppe konnten wir schon einen ersten Eindruck der super Stimmung im Stadion mitnehmen. Außerdem drückten einige Saudis aus, dass sie Argentinien anfeuern würden. Die hätten schließlich Messi. Diese Bewunderung sollten wir später noch mehrfach erleben.
Zwischenzeitlich war ich etwas unruhig, da ich die große Canon DSLR mitgenommen hatte, um gut Bilder machen zu können, hatte im Vorfeld aber keine Informationen darüber gefunden, wie es sich mit Kamera-Rucksack im Stadion verhält. Es sollte sich aber zeigen, dass keinerlei Taschenkontrolle stattfand und sehr viele mit DSLRs unterwegs waren.
Als alle vollzählig waren wurden wir von einem saudischen Ordner offenbar in die falsche Richtung geschickt, um unsere Tickets zu holen und schafften es so gerade noch zum Anpfiff ins Stadion.
Vor dem Einlaß konnten wir noch hören wie die argentinische Nationalhymne gespielt wurde und die Saudis das nicht gerade goutierten. Sie pfiffen und buhten ordentlich.
Das Spiel
In den ersten 15 Minuten gab es kaum mehr als ein Abtasten der beiden Mannschaften und man konnte bereits spüren, dass es für Saudi zumindest nicht ein solches Fiasko werden würde, wie gegen Deutschland bei der WM 2002 mit dem 8:0.
Wie zuvor schon gemerkt, sind auch in Saudi die Mobilfunknetze bei solchen Großveranstaltungen ziemlich überlastet und weder ein Bild vor dem Stadion noch der folgende Tweet wollten ihren Weg finden:
15 Minuten und KSA Argentinien noch 0:0, frenetischer Jubel bei jeder Aktion der Saudis.
Wenige Momente später fiel für Saudi ein Tor und wir erlebten das erste Mal was für ein Hexenkessel dieses Stadion sein kann. Leider wurde es nicht gegeben, da Abseits, was von unserer Position nicht zu beurteilen war. Schade.
Argentinien bemühte sich weiterhin nicht sonderlich – bis auf eine Chance, die auf der Linie gerettet wurde – und so kam es zu einigen Aktionen für Saudi. Das Spiel blieb also blaß für Argentinien und wesentlich besser für Saudi als erwartet.
Von unserem Platz konnte man schön in die königliche Loge sehen, in der sich einige Mitglieder der königlichen Familie aufhielten. Die zu vernehmende Stimmung dort ähnelte aber eher dem Spiel der Argentinier als dem ihres Volkes.
Als sich die Teams in die Pause begaben, gab es quasi nur Messi-Rufe. Fand ich etwas eigenartig, dass die Saudis einen Spieler des Gastteams in die Katakomben jubelten.
Nach der Pause wirkten die Argentinier wie ausgewechselt und bewegten sich gefühlt doppelt so schnell wie zuvor. Es dauerte trotzdem bis zur 70. Minute, bis es begann für die Saudis gefährlicher zu werden. Vermutlich auch, da ihnen offenbar langsam die Luft ausging.
Wie zuvor auch, war Messi weiterhin kaum zu sehen. Er trabte teilweise sehr lustlos oder auch gemütlich über den Platz und man gewann den Eindruck er wäre nur da weil er musste. Vermutlich stimmt das sogar.
Langsam kam auch das Publikum auf touren und es wurde mehrfach ohrenbetäubend laut, ohne dass es im Spiel einen ersichtlichen Grund gegeben hätte. Hatten wir vor dem Spiel gewitzelt, ob die Saudis Laola-Wellen kennen würden, demonstrierte jetzt das gesamte Stadion (mit Ausnahme der königlichen Loge) in beeindruckender Weise, wie begeisterungsfähig sie sind.
Bis auf die tolle Stimmung passierte nicht mehr viel Saudi schaffte es dann tatsächlich das 0:0 zu halten.
Hatten die Saudis am Ende gezeigt, dass sie ihr Team mit einer tollen Stimmung anfordern konnten, machten sie am Ende des Spieles aber wieder dasselbe, wir zu Pause und ließen lauthals “Messi” durchs Stadion schallen. Irgendwie amüsant
Fazit
Wir hatten also ein ungültiges Tor gesehen und das Spiel als solches war zwar etwas langweilig.
Die Argentinier waren sehr bewegungsfaul, die Saudis dagegen so motiviert als kennen sie kein morgen und mit dem Besuch im Stadion einen weiteren anderen Aspekt des Lebens hier gesehen und mal wieder für gar nicht so anders als in Europa befunden
Frühstück auf der Terasse hatten wir hier ja schon. Also hieß es an einem Freitag morgen um 7:30 aufstehen, um eben auch mal in Sanddünen zu frühstücken. Dafür fuhren wir zusammen mit anderen etwa in 110km nördlich von Riyadh. Zu einer Region, wo die Steinwüste rund um Riyadh sich in eine Sandwüste übergeht. Es hieß also Sanddünen fahren! Dafür lässt man aus den Reifen Druck ab, um eine größere Auflagefläche zu erhalten und damit im Idealfall nicht im Sand stecken zu bleiben
Selbiges ist mir dann auch nicht passiert. Der Weg zum Frühstücksplatz war auch relativ befestigt, insofern man das Wegen auf und um Sanddünen sagen kann. Ich kann zudem bestätigen, dass sich das Fahren auf Sand dem Fahren auf Schnee sehr ähnlich anfühlt.
Wir nutzten die Ladeklappe des mitgefahrenen GMC Denali, um eine Art Frühstücksbuffet zu haben, nachdem das mitgebrachte Motorrad abgeladen worden war. Jeder nahm sich also von jedem was. Um uns herum fuhren einige andere Expats auf ihren Quads und Motocross-Maschinen durch den Sand.
Kurz bevor es dann auch wieder Richtung Riyadh gehen sollte, konnte ich die Chance nutzen und mich seit mehr als einem Jahr auch mal wieder auf ein Motorrad schwingen. Und das dann gleich auch im Wüstensand. Wieso auch nicht
Ich muss schon sagen, ist ein sehr eigenartiges fahren. Zu Beginn ist alles wackelig, aber sobald man etwas Geschwindigkeit drauf hat (~ 30km/h) fährt es sich fast wie auf Straße. Natürlich sollte man es mit der Kurvenlage etwas vorsichtiger angehen lassen, v.a. wenn man neu ist. Die Gebübten, die ich beobachten konnte, kannten da aber nichts und legten sich in die Kurven als ob es kein Morgen gäbe
Habe aber schon gemerkt, dass ich gerne wieder Motorrad fahren würde. Einmal in der Woche in der Wüste, wäre für mich aber kein Ersatz. Nett, aber kein Ersatz. Bei dem Verkehr hier in Riyadh werde ich das mit der Alltagsmaschine aber nicht machen. Dafür fahren mir die Autofahrer hier zu sehr nach Harakiri-Motto.
Beim Heimweg haben wir uns dann etwas verfahren und fuhren in die falsche Richtung. Autobahn zwar in Sichtweite, aber lange Zeit keine Möglichkeit auf selbige zu wechseln. Die gewählte Strecke war dann auch noch wüstiger, düniger und sandiger. Kurz vor der Auffahrt auf die Autobahn passierte es dann.
Und so durften wir dann mit unserem “kleinen” X-Trail den großen Denali aus dem Sand ziehen. Dank manueller Schaltung/Kupplung stank diese anschließend auch noch den ganzen Rückweg bis Riyadh durch die Klimaanlage ins Auto
Schönes Frühstück in der Wüste also und das Motorrad-Fahren in der Wüste war auch nicht zu verachten
Wir waren gestern hier im Riyadh Zoo. Vorab hatte ich etwas über einen Horror Zoo bei Blueabaya gelesen und hoffte, dass der Riyadh Zoo ein anderer ist. Er war/ist es und zusammengefasst kann man sagen, dass die Tiere dort einigermaßen artgerecht gehalten werden. Wenn man sowas überhaupt von Tieren im Zoo behaupten kann und ohne dass ich dafür ein Experte wäre. Gefühlt ähnlich zu einem deutschen Zoo.
Flächentechnisch hatte ich wesentlich weniger erwartet und wir waren in Summe 3 Stunden unterwegs und haben trotzdem nicht alles gesehen. Allerdings hatten wir auch drei kleine Kinder dabei
Der Zoo bietet die üblichen Verdächtigen, wie Elefanten (die wir nicht sahen), Giraffen, Löwen, Tiger, Affen jedweder Art, Braunbär, Vögel, Wölfe, Flamingos, Alligator, Krokodil, Nashörner und in Saudi dürfen natürlich auch die Kamele nicht fehlen
Die Anlage des Zoos ist recht schön und entsprechend findet man viele picknickende Familien vor. Es gibt einen dieser typischen Besucher-Züge, mit denen man sich einmal durch den Zoo fahren lassen kann. Zudem bietet sie ziemlich viele Schattenplätze, um den hiesigen Klimagegebenheiten Rechnung zu tragen. Fast vor jedem Käfig oder Gehege finden sich bewachsene Holzkonstruktionen um Schatten zu spenden.
Wir waren nach den drei Stunden natürlich trotzdem ordentlich durchgeschwitzt und das am 1. November. Wenn ich so dran denke, wie die Tiere in den Gehegen vielfach jedes kleine Fitzelchen Schatten gesucht haben, frage ich mich wie das mit den Tieren im Hochsommer läuft.
Die Saudi typische Geschlechtertrennung läuft wie bei solchen Anlagen üblich durch unterschiedliche Männer-, Frauen- und Familien-Tage ab. Schade dass selbiges nicht auch für Kinos umgesetzt wird.
Meinen an sich recht positiven Eindruck trübte allerings, dass wir anscheinend eine tote Hyäne in ihrem Käfig sahen. Sie lag auf dem Rücken und durch das 430er Zoom-Objektiv war auch keine Atmung zu erkennen. Ich hoffe wir haben uns da einfach geirrt…
Fazit
Grundsätzlich bin ich mit einem positiven Gefühl aus dem Zoo raus, aber vermutlich werden wir den Zoo nicht nochmal besuchen. V.a. weil es einfach ein normaler Zoo ohne besondere Attraktionen ist und zum anderen weil ich mich nicht zu 100% sicher bin, ob die Haltung der Tiere soweit in Ordnung ist. Ich würde aber dennoch von einem Besuch nicht abraten. Einen Besuch sollte er wert sein. Und ja das könnte man als ziemlich uneindeutiges Fazit verstehen
Als ich 2008 mit dem Joggen begann hatte ich seitdem immer mal wieder auch daran gedacht an einem öffentlichen Lauf teilzunehmen. in Deutschland waren das aber meist direkt Halb-Marathon Strecken. Ein ziemlich fernes Ziel für jemand der Joggen oder das Laufband oftmals nur zum Aufwärmen nutzt.
Im September hing dann aber ein Hinweis auf den “Run together Riyadh 2011″ hier im Compound am schwarzen Brett. Fünf Kilometer für einen guten Zweck, nämlich die Krebs-Forschung UK, da war die Entscheidung schnell gefallen.
Run together Riyadh 2011
Am 2. Dezember war es dann soweit. Im Salwa Garden Village angekommen und die Sicherheitsvorkehrungen des Compounds hinter uns gelassen, hieß es anmelden und “Ausstattung” in Form von gesponsertem Polo-Shirt in Empfang nehmen. Auf der Hinfahrt hatten wir noch gewitzelt, dass es womöglich nur rund 30 Leute wären, die laufen würden. Die Befürchtung war aber schnell zerschlagen und ich sah über 330 Startnummern mit entsprechend vielen Begleitpersonen
Dazu zählten auch zahlreiche “Maskottchen” wie das rennende Kamel oder eine Art “Tour de France”-Teufel
Wir bereiteten uns also vor. Kurz vor Start gab es seitens der Veranstalter noch ein kleines Willkommen mit Verweis auf die Sponsoren, durch deren Engagement es später noch ein Barbeque für alle Anwesenden gab.
Dann ging es auch schon los. Die Läufer starteten vorne und die, die gehen wollten logischerweise eher hinten Dazu zählten auch zahlreiche Familien mit Kinderwägen.
Die Strecke sah zwei Runden vor und führte quer durch das Compound. Dabei gab es auf der Hälfte der Runde eine Wasserstelle. Es wurden 0,6l Wasserflaschen ausgegeben. Und das ist auch das einzige was ich kritisieren würde. Es war doch umständlich während des Laufens die Falschen zu öffnen und v.a. zu versuchen aus der Flasche zu trinken. Abgesehen davon war es natürlich top, dass überhaupt Wasserstellen eingerichtet wurden!
Neben den Maskottchen hatten wir sogar ein “Begleit-Motorrad” und v.a. ärztliche Versorgung, die aber, nachdem was ich mitbekam, niemand brauchte.
Mein Ergebnis
Vor dem Run together, hatte ich nur einmal im Compound-Fitness-Studio den vollständigen Lauf von 5km simuliert. Das lief mit rund 31 Minuten ganz gut, aber da hatte ich auch die Anzeige meiner Geschwindigkeit. Mangels Pulsuhr oder Schrittzähler fehlte mir das draußen. Entsprechend lief ich zu schnell und war nach der Hälfte mit rund 12 Minuten schon ziemlich fertig. Auf der zweiten Runde musste ich dann 3x kurz gehend unterbrechen, konnte den Lauf dann aber mit rund 29 Minuten abschließen und war dann aber erstmal nur platt
Jeder bekam im Ziel eine Tüte mit einer Basecap und natürlich eine Medaille Dann ging es zum, vom Sheraton-Hotel gesponserten Barbecue, bei dem auch richtige Preise für die Besten vergeben wurden. Zudem konnte man Raffle-Tickes, also Lose kaufen, um der Krebsforschung noch mehr gutes zu tun.
Insgesamt war es ein super organisiertes Event und tolle Athmosphäre. Diesbezüglich noch ein großes Lob an Laura, die das organisiert hat. Dazu noch das perfekte Wetter, welches bei mir und Susanne auch in einem kleinen Sonnenbrand mündete.
Und trotz meiner latent vorhandenen Erkältung ein erfolgreich abgeschlossener Lauf.
Im Februar wird es wieder einen Lauf im Salwa Compound geben. Dann einen Halb-Marathon oder einen 3,5km Lauf. Ich denke da werden wir wieder dabei sein. Allerdings wohl eher nicht in der Halb-Marathon-Distanz