Der Rest von Hamburg – Riad

von   3 Kommentare

Das Schöne an Hamburg ist ja der Hafen, der quasi den Rest der Welt zu einem Stadtteil Hamburgs macht. So gibt es zwar keine direkte Schiffsroute nach Riad, aber die 12 Stunden Autofahrt von Jeddah nach Riad lassen wir getrost unter den Tisch fallen.

Nun denn, eine Stadtteil Beschreibung von Riad. Macht im Grunde keinen Sinn, denn große Unterschiede gibt es keine. Kennt man einen, kennt man alle – langweilig. Dann vielleicht ein Text über unseren Compound? Da wäre ich schnell fertig. Ganz Riad? Das wird ein Roman.

Beginnen wir also mal klein mit unserem Compound:

Najd Compound, benannt nach der Hochebene, auf der Riad liegt. Klein, 180 Häuser, mit verschiedene Sportanlagen: Tennis-, Basketball-, Volleyball-, Fußballplätze, Squashcourts, eine Bowlingbahn, ein Fitnessstudio, natürlich ein Pool. Wer Sport treiben möchte, sollte fündig werden bei diesem Angebot. Was hat der Compound noch zu bieten? Ein Restaurant, eine Bibliothek, sehr bequem ist auch der Mini Market, der das nötigste an haltbaren Lebensmitteln verkauft.

Die Häuser sind alle gleich aufgebaut, großzügig geschnitten und freistehend. Lärmende Kinder, laute Musik, das bekommen die Nachbarn eher nicht mit. Ach ja, die Nachbarschaft. Man kennt sich in der Regel, zumindest vom Sehen. Wir leben hier in einem multinationalen Umfeld. Zählen denn nun nur die unmittelbaren Häuser, sagen wir mal die nächsten 3 in alle Richtungen zu den Nachbarn oder sind wir nicht eigentlich alle Nachbarn. Diese Frage lässt mich schon seit wir hier sind nicht los und bin noch immer zu keinem Schluss gekommen.
Geht man spazieren, selbst im Schneckentempo ist man nach einer halben Stunde jede Straße einmal gelaufen

Damit ist im wesentlichen das wichtigste über den Compound gesagt und wir schauen nun über die Mauern, die unser kleines Dorf umgeben.

Natürlich besteht nicht nur die Möglichkeit in einem Compound zu leben. Es gibt auch Hochhäuser mit Mietwohnungen und jede Menge Wohnhäuser.  Diese sind weitesgehend allein stehend mit einer hohen Mauer drumherum.  Reihenhäuser gibt es hier bei Läden. Diese haben im Erdgeschoss einen kleinen Laden und in den maximal zwei Geschossen darüber Wohnungen. Die Läden sind überall gleich. Mal sind es mehr Optiker, mal mehr Apotheken, auch mal kleine Lebensmittelläden oder Garküchen.

Die Mietpreise sind exorbitant, zumeist in den Compounds. Außerhalb zu wohnen ist billiger. Für mich jedoch mit einem entscheidenden Nachteil verbunden. Als Frau besteht nicht die Möglichkeit ohne Abaya das Haus zu verlassen.

Riad bietet auch einige wenige touristische Ziele.
Einen schönen Blick über die Stadt bekommt man im 99. Stock des Kingdom Towers. Unter den Westlern auch Flaschenöffner genannt. Und… äh… kommen wir zur Kultur.

Museen haben wir hier mehrere. Am bekanntesten dürfte das National Museum sein. Ebenfalls zu empfehlen ist das Masmak Fort. Und… äh… Wir haben auch einen Zoo!

Kultur in Form von Theater oder Kino wird man hier nicht finden. Dies ist auf das leidige Thema Geschlechtertrennung zurück zu führen.

Und sehr, sehr viele Malls. Meinem Empfinden nach gilt auch hier: kennst du eine, kennst du alle. Denn die Geschäfte wiederholen sich, die Fast-Food-Ketten ebenso. Ein Lichtblick ist die Riyadh Gallery, die auch für Frauen die Möglichkeit bietet in der Öffentlichkeit in einem Cafe zu sitzen. In den Food Courts gilt die Geschlechtertrennung, wie auch in den Restaurants.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Restaurants

Nun, die Suche nach einem netten Restaurant gestaltete sich für uns bislang schwierig.
Gefunden haben wir einen Italiener der leidliche Pizzen bäckt und gute Pasta serviert. Neben den unvermeidlichen kleinen Kabinen besticht er durch einen offenen Platz für Familien. Auch einen Libanesen haben wir schon mehrfach besucht.

Die weiteren Restaurants sind außerhalb unserer Preisklasse. Als Beispiel sei das Globe genannt, im Faisaliah Tower.

Fast Food ist sehr beliebt. In Riad gibt es sage und schreibe über siebzig McDonalds, die alle einem einzigen Prinzen gehören. Das Stadtbild wird durch die Filialen gängiger Ketten geprägt.

Noch ein Wort zum Aufbau der Stadtteile. In der Regel gibt es eine größere Straße, an der oben genannten Ladenzeilen zu finden sind. Dahinter liegen die alleinstehenden Wohnhäuser.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen in der Gleichtönigkeit. In Batha und Deera finden sich noch Teile der ursprünglichen Lehmbauten. Hier gibt es keine modernen Malls, dort gibt es Souqs. Zu Deutsch Basar. Verkauft wird alles, was das Herz begehrt. Second-Hand-Kleider, Teppiche, Gewürze aber auch alte Kühlschränke oder mit Benzin betriebene Staubsauger(!).
Olaya ist das kommerzielle Zentrum der Stadt. Hier steht der Kingdom und Faisaliah Tower, der Finanzdistrikt ist in greifbarer Nähe.
Gänzlich anders ist das Diplomatic Quarter. Dort sind die Botschaften und deren Angehörigen untergebracht. Hier gilt keine Abayapflicht, es gibt Straßencafes und Parks mit gepflegten Spielplätzen. Gelegen im Wadi Hanifa, wo man entlang wandern kann.

Apropos Wadi Hanifa. In Riad gibt es auch einen Fluss! Den Riyadh River, der von der Kläranlage gespeist wird. Ein Paradies für Fische und Vögel. Stört man sich nicht an einem etwas strengerem Geruch, kann man auch hier spazieren gehen sowie die Picknick- und Grillplätze nutzen.

Am Wochenende kann man verschiedene Ausflüge in die Wüste unternehmen. Riad ist umgeben von verschiedenen Wüstenarten. Steinwüste am Edge of the World oder auch Camel Trail, die rote Sandwüste am Lake Karara und “weiße” im Wadi.

In erreichbarer Nähe ist auch der Flughafen, der, in den 70er Jahren erbaut wurde. Zufälligerweise war ein entfernter Verwandter am Bau beteiligt. Das “Royal Terminal” wird von der königlichen Familie und Staatsgästen genutzt. Entgegen der üblichen sandfarbenen Bauten ist der Flughafen mit seiner Wabenstruktur sogar architektonisch ansprechend.
Mit einer Flugzeit von rund einer Stunde nach Manama, Bahrain und Dubai oder Abu Dhabi, UAE steht einem verlängerten Wochenende nichts im Wege.

Nicht aufregen sollte man sich über Umwege, Baustellen, Unfälle und Bauschutt. Diese sind unvermeidlich in Riad. Letzterer wird nicht abtransportiert sondern aus der Baugrube direkt auf das daneben liegende Grundstück gehäuft. Wird dort gebaut wiederholt sich das Spiel. So bleibt das Stadtbild lebendig.

In einer so riesigen Stadt wie Riad wird immer irgendwo gebaut. So sind die oben erwähnten Umwege nicht nur auf die ständigen Baustellen zurück zu füheren, auch die Straßenführung lässt zu wünschen übrig. Vielerorts gilt, wer links abbiegen möchte fährt rechts, bis zum nächsten U-Turn um dann geradeaus quasi links abzubiegen.

Abschließend lässt sich sagen, Riad wird nie einen Schönheitspreis gewinnen, aber wer braucht schon eine schöne Stadt, wenn man eine wunderschöne Wüste um sich herum hat.


Tags: , , , , , , ,

3 Kommentare zu “Der Rest von Hamburg – Riad”

  1. Der Rest von Hamburg (23) | Herzdamengeschichten Germany WordPress   am:

    [...] Und wieder ein Update – diesmal mit dem Hamburger Stadtteil Lohbrügge – und dem dezent größeren und etwas südlicher gelegenen Riad. [...]


    Antworten
  2. Harald Germany Mozilla Firefox Windows 3 Kommentare   am:

    Wenn ich das so lese, dann denke ich mir, dass ich mich in Riad sicher nicht wohl fühlen würde. Ich wohne in einem kleinen Dorf und bekomme auch jedes Mal Pickel wenn wir nach Frankfurt fahren. Ich glaube, man muss richtig der Typ sein um in einer solchen Stadt zu wohnen.


    Antworten
    • Andi Germany Google Chrome Windows 466 Kommentare   am:

      Hallo Harald, aus meiner Sicht ist hier in Riad aber nicht das “Problem” einer Großstadt, sondern die besonderen Rahmenbedingungen, mit denen man umgehen können muss. Aber es ist natürlich ein großer Unterschied zwischen einem deutschen Dorf und Riad ;)


      Antworten