Für unseren Wickeltisch und für die Katzenklappe benötigten wir Holz, um die beiden Sachen nach unseren Vorstellungen zusammen zu bauen. Doch leider führt der örtliche Baumarkt, wie ich SACO am ehesten nennen würde, kein Holz, geschweige denn Holz auf Zuschnitt.
Da wir so direkt nicht wussten, wo wir Holzzuschnitt herbekommen sollten, dachten wir zuerst daran, das Compound zu beauftragen. Im Endeffekt machen die gegen Bezahlung auch so ziemlich alles. So haben viele hier z.B. eingezäunte Terassen hinter dem Haus, um ihre Hunde laufen lassen zu können.
Durch einen Tipp von Bekannten, wurde ich dann aber doch noch auf lokalen Holzhandel aufmerksam gemacht. Falls also ein anderer Expat auch mal Holz braucht: Folgend der Holzhandel markiert auf der Karte.
Holzhandel in Riyadh auf einer größeren Karte anzeigen
Der groben Beschreibung folgend, die nächste Straße nach Ikea rechts, dann die erste oder zweite Ampel wieder rechts ins Industriegebiet, machte ich mich auf den Weg und fand sogar auf Anhieb Lagerhallen-Betriebe, die eindeutig nach Holzhandel aussahen. Ich hielt dann am nächstbesten Handel mit einem vielsagenden “Any wood, MDF” und hoffte das Schild ließe auf englische Befähigung des Verkäufers schließen. Diese Hoffnung war allerdings vergebens.
Nach der üblichen Begrüßung “Hello my friend”, war es mit dem Englischen dann so gut wie vorbei und ich war schon kurz davor die nächste Halle aufzusuchen, probierte es aber zunächst noch mit Schlagwort Sprache: “MDF?”. Auf einmal lief der Verkäufer eifrig kopfnickend von mir weg und deutete auf einen Stapel großer Holzplatten. Auf Anhieb zeigte er mir, die von uns gewünschte richtige Dicke für den Wickeltisch-Aufbau. Ich wähnte mich schon eines schnellen erfolgreichen Abschlusses dieses an sich simplen Handels. Doch wie macht man jemanden, dessen Sprache man nicht spricht und der einen nicht versteht, klar, dass man einen Holzzuschnitt will – von den Maßen gar nicht zu sprechen.
Mit Händen und Füßen, sowie der Nachahmung entsprechender Geräusche (“brrrzzzzzzz”!), war vermittelt was ich wollte. Glücklicherweise hatte ich von Susanne schematische Zeichnungen, der, für unsere Bauvorhaben benötigten Bretter bekommen. Ich wäre ja eher nur mit den Zahlen im Kopf hin gefahren. Die Zeichnung stellte sich jetzt aber als Gold wert heraus. Ich konnte sie ihm nun einfach vor die Nase halten und das grundsätzliche Verständnis war schon mal vorhanden. Zur Bestätigung wurden die Längen und Breiten jeweils noch an einem Maßband durchgegangen und ich durfte mir auch gleich die arabische Variante der Zahl anhören. Die Kosten für die Bretter wurden dann auch über das mittlerweile bewährte Maßband geklärt
Es folgte allerdings gleich das nächste “Problem”. Der junge Jemenit machte mir klar, dass ein Zuschnitt bei ihm nicht erfolgen könne, da, wie er mir herum zeigend erklärte, keine Säge besäße. Und ich hatte mich schon gewundert, wo das Gerät steht. Nebenan gäbe es aber einen Pakistani, der könne das sägen. Jetzt war für mich nur noch offen wie die Platten zur Nachbar-Halle kommen sollten. Die würde getragen werden oder mit einem Gabelstapler gefahren werden. Die Ausgangsplatten hatten nämlich etwa 1,5m*2,5m. Also Mafi mushkila (kein problem)!
Für den Verkäufer bestand das Problem offenbar darin, dass er sich nicht sicher war, wie er mir mitteilen sollte, dass ich den Zuschnitt bezahlen müsste. Das war dann aber schnell ausgeräumt.
Kurze Zeit später stand dann ein wild in arabisch oder urdu-sprechender Mann vor mir und hörte damit auch nicht auf, obwohl er mittlerweile gemerkt haben sollte, dass ich keines seiner Worte verstand. Der Jemenit vermittelte geduldig und erneut wurden die Maße abgesprochen, sowie wiederholt auf dem Maßband gezeigt und wer hätte es gedacht, die Kosten über das Maßband abgestimmt. Der Pakistani packte sich schließlich das Ausgangsbrett auf den Rücken und marschierte aus dem Lager. Zwischenzeitlich hatten wir noch geklärt, dass er das fehlende Brett hätte, was mir der Jemenit nicht hatte bieten können und dieses passend zugeschnitten mit den anderen Brettern bringen würde.
Jetzt hieß es warten. Wir saßen im Büro und ich bekam direkt auch noch einen Kaffee
Entschuldigend fragte mich der junge Händler, ob es in Ordnung wäre, wenn er das Lager verschließen würde, denn die Gebetszeit hätte angefangen und er wolle keinen Ärger mit den Muttawas riskieren. Muttawas? Im Industriegebiet? Beim Holzhandel? Er verstand meine Verwirrung und konnte mir auch nicht erklären, wieso die Muttawas hier öfter anzutreffen wären. Kaum hatte er das Tor geschlossen kam der Pakistani schon wieder.
Drei Bretter, so wie wir sie wollten. Das vierte war allerdings auf den ersten Blick schon mindestens nur halb so lang, wie wir es brauchten. Auf der Zeichnung hatte 1,9m gestanden. Vor mir lag ein Brett von rund 1m. Ich versicherte, dass die drei Bretter perfekt wären und er mir einfach das andere noch korrekt zusägen sollte. Kurze Diskussion mit dem Jemenit und er rauschte wieder ab. Keine 5 Minuten später war er wieder da. Diesmal mit einem Brett von augenscheinlich korrekten Maßen.
Anschließend ging es noch um die Zahlung. Mit dem Holzhändler war es einfach. Es waren 75 SAR für die komplette Platte vereinbart. Auch wenn ich die Reste nicht zu Gesicht bekam, war das ok für mich. Der Pakistani sollte seine 50 SAR bekommen. War damit aber offenbar unzufrieden und diskutierte wild. Eine kurze Rückfrage ergab, dass er nochmal 10 SAR für das Korrektur-Brett wolle. Daran sollte es dann nicht scheitern
Nachdem finanziell alles befriedet war, wollten beide unbedingt helfen, die Holzbretter ins Auto zu verfrachten. Ich hatte den X-Trail bereits auf der Herfahrt vorbereitet und die Rückbank umgelegt. Platz war also. Das lange Brett für die Katzenklappe wurde pakistanisch fachmännisch rechts neben den Beifahrersitz geschoben. Als ich dann die Bretter für den Wickelschrank nur in den Kofferraum legte, wurde ich recht skeptisch angesehen. Nach der Versicherung langsam zu fahren, durfte ich mich dann aber doch verabschieden, auch wenn sie nicht ohne hin konnten und wohl etwas über mich lästerten
Die Bretter passen jetzt wie angegossen und wir haben jetzt eine dauerhaft eingesetzte Katzenklappe, sowie auf einen Ikea-Malm-Schrank aufgeschraubtes Wickelbrett
Tags: handel, holz, karte, riyadh, saudi-arabien









Skurrile Geschichte.
Aber warum baut ihr den Schrank denn selbst, fandet ihr keinen passenden fertigen?
Wieso bist du denn mit “Links” unterwegs?
Zu deiner Frage: Den Schrank haben wir nicht selbst gebaut, wir haben lediglich eine Auflage zum Wickeln aufgesetzt. Drunter ist der Ikea Malm.
Und genau, wir fanden nicht anderes praktikables. Die sonstigen bei Ikea waren schon konzeptionell unpraktisch, weil die Fächer unter der Wickelfläche nach hinten versetzt sind oder aber sie waren ziemlich niedrig. Das ist bei Susanne etwas weniger ein Problem als bei mir. Der jetzige Malm wirkte am Anfang etwas hoch, hat sich aber nachträglich als fast ideal rausgestellt. Bücken will man sich beim Wickeln nicht auch nicht unbedingt. Da gibt es andere Dinge, um die man sich genügend kümmern muss. Später noch umso mehr
Eigentlich schon krass, da beschäftigt das Thema Kinder die Menschheit schon seit Anbeginn und trotzdem sind Möbelhersteller noch nicht bei einem sinnvollen Produkt angekommen, das allgemeine Bedürfnisse stillt. Wenn ich recht überlege, bei einem befreundeten Paar ist auch eine Eigenbaukonstruktion im Bad vorhanden: eine Tischplatte zum Runterklappen. Aber bei denen wunderte mich das nie, die haben sich schon immer vieles selbst gebaut.
Ach ja, ich hatte mein Linux hier abgeschossen (hooray for btrfs… not) und auf dem Rettungssystem, das ne Weile mit der Sicherung/Wiederherstellung beschäftigt war, war nur Links drauf. ^^
hehe gut gemacht
Ich staune das es so “reibungslos” gepasst hat mit der Sprache und so.
Sagt google das richtig mit 27 Euro ?
Wirklich bizarr, da ist ein ganzer Nachmittag im Eimer dafür. Aber auch wenn das Einkaufen hier etwas einfacher ist als bei euch, hat sich doch trotzdem immer wieder herausgestellt: Beim Handwerken geht grundsätzlich nichts so schnell und so einfach wie man sich es vorstellt