Eine Sache hatte uns hinsichtlich einer Geburt in Saudi etwas unruhig gelassen: Keine Möglichkeit zu einer gewissen Geburtsvorbereitung zu haben. Üblicherweise ziehen die Frauen hier nach der Geburt für einige Wochen zurück zu ihrer Familie. Genügend Erfahrung ist in der Regel ja da. Somit gibt es hier auch den in Deutschland üblichen Beruf der Nachsorgehebamme nicht.
Doulas und Hebammen
Umso erfreuter waren wir, als wir zufällig von dem sog. Doula Service hörten. Dabei handelt es sich um Frauen, die einen Service in der Art von Hebammen anbieten. Und eine solche Doula bot auch einen Kurs an, um sich auf die Geburt vorzubereiten.
Kurzer Mail Kontakt und wir waren angemeldet und sollten zusammen mit einem anderen Pärchen einen 4-stündigen Crashkurs absolvieren. Üblicherweise wäre dieser Kurs, fast wie in Deutschland üblich, von einer 12 Wochen Dauer gewesen. Die Zeit hatten wir aber logischerweise nicht mehr
Der Kurs fand bei der Doula privat statt. Sie ist Amerikanerin und mit einem Saudi verheiratet. Wir konnten also mal ein wenig reinschnuppern wie Saudis in der Regel wohnen. Dem saudischen Wohnstil entsprechend saßen wir während des Kurses auf dem Boden.
Der Kurs
Ich hatte mich in einem solchen Kurs schon beim Wehen wegatmen oder Geburtshecheln gesehen. Doch primär sollte es um möglichst viel Wissen begleitet von ein paar Beckenbodenmuskel- und Entspannungsübungen gehen.
Wir begannen also mit Details zu Ernährung. Dass man den Calcium Haushalt, das Eisen und zum Ende hin auf jeden Fall die Proteine im Auge behalten solle. Auch dass das Trinken noch umso wichtiger ist, als es sonst hier schon der Trockenheit wegen der Fall ist.
Es ging weiter mit einigen Dehnungsübungen, um die Beckenbodenmuskeln auf die Geburt vorzubereiten. Auch die Physiologie des Beckens war Thema. Es ist hier noch immer üblich im Liegen zu entbinden, was die Geburt erschwert.
Das ägyptische Pärchen hatte mit den Übungen etwas mehr Probleme als Susanne und ich, so dass uns das schon ein bisschen Beruhigung gab.
Eines der Themen, die natürlich nicht fehlen durften, war der Ablauf der Geburt. Auch hier gab es einige Informationen, die sie als Mutter von 8 Kindern schon erfahren hatte. Sie warnte uns zum Beispiel davor, einem Kaiserschnitt zuzustimmen, nur weil die Wehen nachlassen würden.
Die Doula sprach aber auch Themen an, die zumindest ich vorher noch nicht gehört hatte. So z.B. dass es laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sehr sinnvoll ist, das Durchtrennen der Nabelschnur so lange wie möglich nach der Geburt zu verzögern, zumindest aber 5 Minuten, um das darin befindliche Blut noch dem Neugeborenen zufließen zu lassen. Laut einer Website der WHO ist es in wissenschaftlichen Studien belegt, dass es dem Neugeborenen sehr hilft, nicht direkt von der Nabelschnur getrennt zu werden. Es finden sich sogar entsprechende Empfehlungen im britischen Gesundheitswesen, die bisher aber noch nicht ihren Weg in die Praxis gefunden haben.
Nach rund 4,5 Stunden verließen wir die Doula dann auch wieder und hatten für uns tatsächlich einiges mitgenommen. V.a. dass wir bereits recht gut vorbereitet auf die Geburt unterwegs sind. Jetzt nur noch hoffen, dass uns das auch ein wenig hilft.
Ansonsten muss halt die (Schwieger)-Mama helfen