Nach langem hin und her war es soweit. Der Tatortdreh mit unseren Katzen bzw. einer der beiden. Ursprünglich war uns der 9.12. als Termin genannt worden. Der Termin wurde dann aber spontan auf den 25. November umgelegt und so sollten wir uns um 17 Uhr am Set einfinden. Spontan ist auch das Wort, dass mir ab sofort bzgl. dem Dreh von Film und Fernseh im Kopf bleiben wird.
Spontanität
Mit der Änderung des Drehtages hatten wir, wie erwähnt, bereits Erfahrung gemacht. Am Tag selbst hatten wir uns dann eben auf 17 Uhr eingestellt. Um 15:15 klingelte aber mein Handy und wir wurden gefragt, ob wir nicht schon früher kommen könnten. Möglichst sofort. Gut man ist ja spontan, allerdings hatte ich Tinka raus gelassen. Gizmo lag dagegen seelenruhig auf dem Bett, wir wollten morgens aber dem Wunsch der Katzen nachkommen raus zu dürfen, um nicht zu riskieren, dass sie schon vor der neuen Situation am Set unruhig sind, nur weil sie den Tag über nicht raus durften.
Da wir uns, ob der Charaktere der beiden schon entschieden hatten den Dreh zuerst mit Tinka zu probieren, wollten wir sie aber in jedem Fall mitnehmen. So ging also die Suche los. Zwischenzeitlich hatte ich gehört, dass Nachbarn in ihre Wohnung gegangen waren und die Katze wohl mitgenommen hatten. Die Vermutung lag also nahe, dass sie zumindest im Haus war. Nach dem Klingeln bei jedem Nachbar, kam sie dann irgendwann gemütlich die Treppe herunter geschlendert. Man muss schließlich sicherstellen, dass man seinen Auftritt hat!
Die Fahrt
Das Auto stand zwischenzeitlich vor der Tür und wir waren abfahrbereit, da rief erneut die Produktion an, wann wir denn da wären. Etwas enttäuscht vernahm sie meine Prognose von einer halben Stunde, ändern konnte sie das aber freilich nicht. Die Fahrt nach Baden-Baden verlief dann erstaunlich ruhig. Ich hatte mit jaulenden und maunzenden Katzen gerechnet, aber bis auf ein gelegentliches maunzen war es ruhig. Wir hätten das Angebot eines Katzenfutter-Fotoshootings in Düsseldorf also vielleicht doch annehmen können
Als wir in Baden-Baden ankamen, wurde schon sehnsüchtig auf uns gewartet und die Regieassistentin sprach auch prompt ein hektisches “die Katzen sind da, die Katzen sind da” in ihr Walkietalkie, bevor sie uns überhaupt begrüsst hatte. Ähnlich hektisch ging es dann auch weiter und mir schwante Böses, hinsichtlich der Reaktion der Katzen auf diesen “Zirkus”.
Am Set wurden wir dann von allen sehr freundlich und nett empfangen und im Vorbeigehen lernten wir nebenbei auch Ulrike Folkerts kennen. Sehr hektische und spontane Situation
Wir also noch in Jacke und Mantel bzw. die Katzen in ihren Boxen, da formulierte der Regisseur bereits seine Anweisungen. Wir versuchten ihn also erstmal ein wenig zu bremsen, dass die Katze jetzt sicher erstmal etwas “ankommen” müsste. Zudem musste sie ja noch vom Geschirr befreit werden. Ihr ahnt es bereits: wir hatten Tinka gewählt, um die Aufnahme zu versuchen. Gizmo ist in seinem Charakter eher ruhiger und legt sich lieber wohin, wohingegen Tinka gerne neugierig umher läuft. Da die Aufgabe sein sollte, auf einem kleinen Jungen herumzuklettern, auf den Boden zu springen und wegzulaufen, wenn ein Mann ins Zimmer kommt, war Tinka daher für uns die bessere Wahl.
Der erste Dreh
Nachdem die Kleine vom Geschirr in der Box befreit war und durch leichtes Schrägstellen letzterer dazu bewegt wurde, herauszukommen, schaute sie sich auch bereits um. Wir gaben es aber schnell auf, sie mit Futter in Richtung des Sessels zu locken. Es lief schnell darauf hinaus, dass Susanne Tinka auf den Arm nahm und auf Kommando auf dem Sessel bzw. dem kleinen Jungen absetzte und aus dem Bild verschwand. Mehrfach war sie dabei aber schneller als von der Regie angedacht, so dass Tinka bereits verschwunden war, bevor der Mann überhaupt im Zimmer war. Also wiederholen!
Nach drei Anläufen war dann bereits eine Einstellung im Kasten in der Tinka vor dem Sessel stehend neugierig beobachtete, wie der Kommissar auf sie zukommt und sich nicht vom Fleck bewegen wollte.
In der letzten gedrehten Einstellung verschwand sie dann fast wie befohlen oder von einer Katze erwartet unter die Couch und beobachtete von dort. Der Regisseur schien begeistert, hatte er wohl mehr Material als er sich erhofft hatte.
Pause
Laut Erklärung der Regisassistenz sollten wir nun etwa 30 Minuten Pause haben, da zuerst geprobt würde, wie der Kommissar den Jungen zu Bett bringt und evaluiert würde, wie Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) in der Tür stünde und Tinka am Besten auf dem Arm hätte.
Während dieser Pause lernten wir dann auch die Tiertrainerin Petra Geier kennen, die auf Grund des spontan vorgezogenen Drehs und weiterer Anfahrt erst später da sein konnte. Bis hierhin hatte ja aber alles soweit geklappt.
Wir tauschten uns über den Dreh aus und sie erzählte uns einige ihrer Erfahrungen und welche Vorstellung manch Tierbesitzer an einen solchen Dreh hätte. Fanden wir teilweise sehr befremdlich…
Im Hintergrund hörten wir immer wieder den Kommissar ein Gutenachtlied singen und immer wieder den gleichen Satz des Jungen dazu: “Nein ein richtiges Lied”. In der Tat also eine Probe
Nach einer Weile ging mir das ganz schön auf den Keks.
Mittagessen
Nach geschätzen 50 Minuten kam wieder jemand von der Crew und meinte sie würden jetzt Mittag machen und wir könnten mitessen, wenn wir wollten. Der Dreh mit der Katze beim zu Bett bringen wäre allerdings abgeblasen, dafür wären wir in der nächsten Szene – nach dem Essen – wieder dabei. Es war zwar kurz nach 19 Uhr und da ist eine Einladung zum Mittag doch etwas merkwürdig (aber wohl normal beim Film, wo Mittag immer die Essenspause ist, egal zu welcher Uhrzeit), aber zu einer solchen Einladung sagt man natürlich nicht nein und so standen wir kurz drauf am Büffet. Es gab Spätzle mit Hackbraten und Gemüse. Typisches Setessen, wie uns erklärt wurde. Mir gegenüber saß der Kommissar und kurz vor uns hatte die Mutter mit der Schwester des kleinen Jungen gegessen. Offensichtlich gibt es beim Film wenig Distanz, zumindest beim Essen und beim Dreh eines Tatort
Einsprechen
Kurz nach Ende des Mittagessen hatten wir dann Teil, wie sich Ulrike Folkerts und ihr Kommissarskollege einsprachen, um zu Testen bzw. ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die nächste Szene am Besten wirken würde. Nebenbei konnten wir beobachten, wie sich die Crew die Langweile vertreibt. Gefühlt mehr als die Hälfte nutzte ihr iPhone, um zu surfen und die andere Hälfte ärgerte sich gegenseitig. Einer der Lichttechniker hatte sich den Pulli über den Kopf gezogen und ein andere leuchtete ihn mit einer Taschenlampe an, um ein Bild von ihm zu machen. Nach einigem hin und her des Probens, wurde dann entschieden, dass die Katze die Intensität der Szene nur reduzieren würde und wir bekamen mit einem kurzen “die Mietzekatzen sind fertig” aus unserem Warten befreit. In Summe hatten wir zu dem Zeitpunkt etwa eineinhalb Stunden nur rumgesessen, aber dabei zumindest einiges vom Filmdrehen miterlebt.
Fazit
Wie schon zu Beginn erwähnt, bleibt mir am ehesten das Wort spontan im Gedächtnis, wenn ich an den Tatortdreh zurückdenke. Weder positiv noch negativ, schlicht spontan
Es war interessant, mal eine Berufsschauspielerin kennenzulernen, die zudem noch sehr sympathisch ist. Es freut mich, dass es offenbar nicht Berufsvoraussetzung ist, vom Boden abzuheben, wenn man Schauspieler werden will. Ulrike Folkerts machte jedenfalls einen sehr netten Eindruck.
Die strikte Aufgabentrennung überraschte mich ebenfalls. So kümmerte sich die Lichttechnik wirklich nur um das Licht, ohne dass der Regisseur großartig Einfluss darauf genommen hätte.
Nach dem Dreh wurde uns dann offenbart, dass Tinka aller Wahrscheinlichkeit nach noch öfter angefordert würde und somit quasi zur Odenthal-Katze werden würde, wenn wir es denn machen wollen. Somit haben wir jetzt wohl einen Filmstar daheim, aber sie lässt sich nichts anmerken. Zickig war sie teilweise ja schon zuvor
Bilder habe ich zwar drei gemacht, aber da ich nicht weiss (und es v.a. nicht riskieren will) wie der SWR auf das Publizieren von Drehortfotos reagiert, müsst ihr auf die leider verzichten.
Vielen Dank von hier noch an @Liamara über die wir an die Möglichkeit kamen, den Dreh zu erleben!